Jeder ist für schöne, gesunde Zähne selbst verantwortlich, denn Karies und Zahnfleischerkrankungen lassen sich ganz einfach vermeiden. Zucker und Bakterien allein können noch nichts ausrichten, erst mit dem dritten Risikofaktor, der Zeit, wird das natürliche Gleichgewicht im Biotop Mundhöhle gestört. In der Plaque leben viele unterschiedliche Bakterienarten, manche scheiden Säuren aus, die anorganische Substanzen, wie den Zahnschmelz, auflösen können, andere produzieren Zellgifte, die das Zahnfleisch entzünden oder zerstören. Und alle diese Bakterien ernähren sich von Kohlenhydraten und Zucker!

Karies entsteht, indem unverdünnte Bakteriensäure durch feine Spalten unter die Oberfläche des Zahnschmelzes dringt und die Schmelzkristalle auflöst. Durch diese Demineralisierung entsteht zuerst ein weißer Fleck im Zahnschmelz, zu diesem Zeitpunkt ist die beginnende Karies noch heilbar, indem die Kohlenhydratzufuhr reduziert und die Plaque durch Zähneputzen entfernt wird. Geschieht das nicht, entsteht ein Loch im Zahn.

Parodontitis entsteht, indem sich spezielle Bakterien am Zahnfleischrand ansiedeln, die organischen Substanzen am Zahnhalteapparat angreifen und eine Zahnfleischentzündung verursachen. Auch diese ist durch gute Mundhygiene heilbar, unterbleibt sie, bilden sich tiefe Zahnfleischtaschen, der Zahnhalteapparat wird geschädigt und das Knochengewebe abgebaut. Ab 35 Jahren gehen statistisch gesehen mehr Zähne durch Zahnfleischerkrankungen verloren als durch Karies.

Überprüft werden kann der Säuregrad des Speichels und damit die Bakteriendichte in der Plaque durch eine Speicheldiagnose in der zahnärztlichen Praxis. Ist der Speichel „übersäuert“, also der pH-Wert gesunken, bedeutet das eine übermäßige Zuckerzufuhr. Zusätzlich wird die Anzahl der Laktobazillen oder der Streptokokkus mutans-Bakterien (die „Kariesbakterien“) pro Milliliter Speichel gezählt, je mehr Bakterien gefunden werden, desto größer ist das Erkrankungsrisiko für Zähne und Zahnfleisch. Durch die Speichelfließrate kann die in einer bestimmten Zeit produzierte Speichelmenge festgestellt werden. Die Tiefe der Zahnfleischtaschen und der Umfang der unsichtbaren Konkremente kann mit Hilfe des Papillenblutungsindex gemessen werden. Dabei wird mit einer stumpfen Sonde, deren Ende in einer Kugel ausläuft, die Zahnfleischentzündung festgestellt: je tiefer die Tasche, desto weiter ist die Erkrankung fortgeschritten.

Zuckerarme Ernährung hindert die Bakterien daran, sich explosionsartig zu vermehren, ist nach dem Essen keine Möglichkeit zum Zähneputzen vorhanden, kann ein zuckerfreier Kaugummi ein guter Ersatz sein. Als Zwischenmahlzeiten sollten nur zuckerfreie Nahrungsmittel konsumiert werden (auch auf versteckten Zucker, z. B. in Getränken, achten), Süßigkeiten besser auf einmal verzehren und dann sofort Zähneputzen. Die Plaque wird, nach dem System Kauflächen, Außen- und Innenflächen, durch kleine rüttelnde Bewegungen von Zähnen und Zahnfleischrand entfernt (Bass-Technik), am besten mit einer fluoridierten Zahnpasta und einer Zahnbürste mit weichen Kunststoffborsten. Zusätzlich sollte täglich Zahnseide benutzt werden, um die Zahnzwischenräume zu säubern, und einmal wöchentlich ein Fluorid-Gel. Für weit offene Zahnzwischenräume, sowie Brücken, Prothesen oder Zahnspangen gibt es spezielle Interdentalraumbürsten. Um hartnäckige Zahnsteinbelege und Konkremente zu entfernen, ist halbjährlich eine professionelle Zahnreinigung angezeigt, wobei mit Spezialgeräten verfärbter Zahnbelag entfernt wird, sowie Zähne und Zahnhälse mit Polierpaste geglättet werden.

Eine Information der Zahnärztekammer

© 2018 DDr. Andreas Beer