Warum muss der Weisheitszahn entfernt werden?
Ein Weisheitszahn, der im Knochen stecken bleibt und keinen Platz hat, durchzubrechen, kann für den Körper zur Gefahr für die Gesundheit werden. In der Zahnarzt-Fachsprache heißt ein solcher Zahn „retiniert“ (zurückgehalten).

Ein retinierter Zahn kann zur Infektionsquelle werden:
Eine geschwollene Backe, schweres Krankheitsgefühl, 38° Fieber – und das mit Pech im Urlaub auf einer griechischen Insel – sind nur durch eine rechtzeitige Entfernung des Weisheitszahnes vermeidbar.

Bei Jugendlichen kann der Verbleib des Weisheitszahnes den Erfolg der Zahnregulierung gefährden, ja sogar teilweise oder gänzlich zunichte machen. Durch seinen Druck auf die Nachbarzähne können die mühsam regulierten Zähne wieder verschoben werden, sogar noch im 21. Lebensjahr (bei Mädchen) oder im Alter mit 22 bis 23 Jahren (bei Burschen)!

 

Krankheitsquelle 
Weiters kann der nur sehr schwer zu pflegende Weisheitszahn eine tiefe Karies und in der Folge eine Entzündung der Wurzelspitze bekommen, die einen so genannten „Herd“ für eine Allgemeinerkrankung darstellt. Im Oberkiefer kann ein zurückbleibender Weisheitszahn zu einer Entzündung der Kieferhöhle oder zu einer Zystenbildung in naher Nachbarschaft der Kieferhöhle Anlass geben. Weiters kann der Weisheitszahn die Sanierung des Nachbarzahnes unmöglich machen, sodass er entfernt werden muss, um nicht auch noch den Nachbarzahn zu gefährden.

 

Wie kann der Weisheitszahn entfernt werden, wenn er doch gar nicht richtig angefasst werden kann?
Zunächst wird die Gegend örtlich durch Injektion eines Anti-Schmerzmittels betäubt. Dazu werden im Oberkiefer in der Nähe des zu entfernenden Zahnes ein oder mehrere Depots eines Anti-Schmerzmittels gesetzt, im Unterkiefer wird das Anti-Schmerzmittel durch einen Einstich hinten an der Innenseite des Kiefers verabreicht.

Dann wird die darüberliegende Schleimhaut beiseite geschoben, eventuell ein Stückchen darüber liegenden Knochens entfernt. Dann wird der Zahn mittels eines Hebels oder einer Zange entfernt. Manchmal muss der zu groß geratene Zahn vorher etwas „verkleinert“ werden, sodass er schonend entfernt werden kann. Das alles kann allerdings einige Zeit in Anspruch nehmen.

Danach wird die Wunde entweder vernäht, oder sie kann, wenn sie nicht zu groß ist, auch unvernäht bleiben.

 

Was geschieht, wenn der Weisheitszahn nicht entfernt wird?
Der Verbleib des Weisheitszahnes kann zu den oben genannten Komplikationen führen. Oft gibt es gar keine vernünftige Alternative zur Entfernung des Weisheitszahnes.

 

Warum hört man öfters Leute nach einer Entfernung des Weisheitszahnes klagen?
Die Wunde ist nicht so klein wie nach der Entfernung eines anderen Zahnes, und dann muss man sich ja den operativen Zugang erst einmal verschaffen. Eine größere Wunde gibt natürlich auch zu größeren Schmerzen Anlass. Auch die Infektionsgefahr ist größer.

 

Wie sollen Sie sich nach der Entfernung des Weisheitszahnes verhalten?
Ihr Reaktionsvermögen ist durch das Betäubungsmittel und die Schmerzmedikamente und etwaige danach auftretende Schmerzen beeinträchtigt.

Sie sollten also nicht als aktiver Verkehrsteilnehmer unterwegs sein und beruflich keine Tätigkeit durchführen, die ein hohes Ausmaß an Konzentration erfordert.

Eine lokale Schwellung an der operierten Stelle kann Ihr Aussehen verändern, ihre Sicht oder die Öffnung des Mundes durch mehrere Tage hindurch beeinträchtigen.

Falls die Wunde mit einem Faden vernäht wurde, der sich nicht auflöst, werden Sie zu dessen Entfernung eine Woche nach der Operation bestellt. Wenn die Naht nicht entfernt wird, ist eine lokale Entzündung und Eiterung zu erwarten. Wenn Sie die Naht selbst entfernen, kann es Ihnen passieren, dass Sie ein Stückchen Nahtmaterial im Körper belassen, was vermutlich zu weiteren entzündlichen Komplikationen Anlass geben wird.

Es waren Antibiotika zu verschreiben / nicht zu verschreiben. Jeder Einsatz von Antibiotika ist ein gewisses Risiko. Auch die Nicht-Einnahme von Antibiotika in einer Situation, die eine Antibiotika-Einnahme erforderlich macht, kann zum Risiko werden.

 

Seltene Verlaufsformen / Unerwartete Ereignisse / Nicht vermeidbare Komplikationen
Es ist in der Natur und damit auch in der Medizin völlig unmöglich, einen hundertprozentigen Erfolg zu garantieren.

Selten kann es zu folgenden seltenen Verlaufsformen kommen bzw. können unerwartete Ereignisse und unvermeidbare Komplikationen eintreten:
Blutung. Es kann sowohl während der Operation eine Blutung wie auch danach eine Nachblutung auftreten, so dass man die Blutung medikamentös oder operativ stillen muss.

Überempfindlichkeitsreaktion gegen das Betäubungsmittel oder gegen eines der Medikamente. Glücklicherweise sind solche Reaktionen, die vom harmlosen Juckreis bis zu Beklemmungsgefühlen, Atemstörungen, Krampfanfällen, ja sogar bis zum Kreislaufstillstand reichen können, sehr selten, aber nicht mit 100% Sicherheit vermeidbar. Wir werden in einer solchen Situation alles tun, um Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden rasch wiederherzustellen. Eventuell werden wir Sie so rasch wie möglich in ein Spital oder Krankenhaus bringen bzw. einen Transport veranlassen.

Nachträgliche Entzündungen können unter Umständen eine längere Antibiotika-Behandlung notwendig machen, und zwar sowohl lokal wie auch als Einnahme von Dragees oder Tabletten.

Es kann auch das Gegenteil einer Blutung, eine Thrombose auftreten. In diesem Fall müssen „blutverdünnende“ bzw. blutgerinnungshemmende Medikamente verabreicht werden.

Der Weisheitszahn kann den Nachbarzahn in Mitleidenschaft gezogen haben, ohne dass dies am zweidimensionalen, also nur flächenhaften Röntgenbild zu erkennen gewesen wäre. Erst die Einschau in die anatomischen Verhältnisse, kann Klarheit verschaffen und zur Erhebung eines Befundes führen, mit dem nicht zu rechnen war.

Es werden alle nötigen Gegenmaßnahmen getroffen, auch wenn dies die Extraktion eines Zahnes bedeuten sollte.

Eine eventuell notwendig werdende Wurzelspitzenresektion wird sofort durchgeführt, wenn sich eine offene Verbindung zur Kieferhöhle ergeben sollte, wird diese sofort wieder verschlossen (vernäht).

Durch die anatomische Nähe der Nerven bedingt, kann es bei Entfernung des Weisheitszahnes im Unterkiefer zu Beeinträchtigungen von Nerven kommen. Diese seltene Komplikation kann allein schon durch die Verabreichung der Injektion auftreten. Mit anderen Worten: Es können danach Geschmacksstörungen oder ein Taubheitsgefühl auftreten. Zumeist sind diese Geschmacksstörungen oder Taubheitsgefühl der Zunge nur vorübergehend, es können bis zur Normalisierung allerdings viele Monate verstreichen. Ob im Falle einer sehr seltenen, nicht mit Sicherheit vermeidbaren bleibenden Schädigung des Nerven weitere operative Maßnahmen, etwa eine Nervennaht, die Beeinträchtigung des Nerven beheben kann, muss im Einzelfall entschieden werden. Nochmals: Eine extrem seltene Schädigung des Gefühlsnerven für Wange, Nase und Oberlippe (im Oberkiefer) oder eine Schädigung des Gefühlsnerven für Zunge, Unterkieferzähne, Unterlippe und Kinn (im Unterkiefer) sind nicht mit 100% Sicherheit vermeidbar. Das Taubheitsgefühl der Zunge tritt nicht nur dann auf, wenn der Nerv während der Operation verletzt wurde, es genügt schon, dass das operative Geschehen in seiner Nähe stattfindet, und dass er in dem anatomischen Gebiet liegt, dass von der nachfolgenden Schwellung betroffen ist.

Glücklicherweise treten solche Verlaufsformen sehr selten auf. Wenn dies der Fall ist, kann dies unvermeidbar sein und es muss sich nicht um einen Behandlungsfehler handeln.

Weiters kann es im Zuge der Operation dazu kommen, dass der Nachbarzahn durch den denkbar engen anatomischen Kontakt beschädigt wird. Dabei muss es sich nicht unbedingt um einen Behandlungsfehler handeln.

Es kann auch vorkommen, dass die Wurzelspitze in die Kieferhöhle gerät, wo sie vom Kieferchirurgen herausgeholt werden muss.

Es kann ebenso vorkommen, dass die Wurzelspitze in den Kanal des Unterkiefernerven gerät, wo sie vom Kieferchirurgen herausgeholt werden muss.

Es kann ebenso vorkommen, dass die Wurzelspitze in den Mundboden schlüpft, wo sie vom Kieferchirurgen herausgeholt werden muss.

Aus diesen genannten Gründen entschließt man sich manchmal, einen kleinen Rest der Wurzelspitze im Körper zu belassen, wenn er keine Beschwerden verursacht.

Es kann auch dazu kommen, dass solche kleinen Reste später sozusagen abgestoßen werden und an die Oberfläche kommen, sie können aber auch in der Tiefe verbleiben, ohne Beschwerden zu verursachen.

Ein Bruch des Unterkieferknochens kann sowohl während der Entfernung des Weisheitszahnes als auch danach auftreten (und zwar durch die Schwächung des Knochens an dieser Stelle). Es muss sich dabei nicht um einen Behandlungsfehler handeln.

Selten kann danach eine Knochenentzündung auftreten, die mit Gefühlsstörungen (Taubheit, „Ameisenlaufen“ oder ähnliche schmerzhafte Missempfindungen) einhergeht. In diesem Fall muss die Wunde nochmals geöffnet und das entzündete Knochengewebe entfernt werden.

Der Besitz von Haustieren muss nicht, kann aber eine erhöhte Keimbelastung mit sich bringen, die im Fall einer kleinen Operation wie der Entfernung einer Zyste zu einer erhöhten Infektionsgefahr führen kann. Dasselbe gilt auch für eine beruflich bedingte Exposition einer erhöhten Keimbelastung.

Es ist natürlich unmöglich, alle Unwägbarkeiten des Schicksals und alle exzessiv seltenen, aber doch nicht ganz auszuschließenden ungewöhnlichen Verlaufsformen bzw. nicht mit Sicherheit zu vermeidenden Komplikationen aufzuzählen.

Eine Information der Zahnärztekammer

© 2018 DDr. Andreas Beer